Was heißt Akademische Reitkunst
Akademische Reitkunst steht nicht für eine bestimmte Reitweise, sondern so wurden Institutionen genannt in welchen die Reitkunst erlernt - bzw. «studiert» wurde. Die erste Akademie entstand in der Renaissancezeit 1532, gegründet von Frederico Grisone. An diesen Akademien wurden auch andere Künste, Philosophien, Sprachen und Kampfarten unterrichtet, erhielten somit den Status einer Universität und trugen deshalb auch wesentlich zur Entwicklung von Europa bei.
In dieser höfischen Zeit war die Reitkunst nicht nur eine Frage der reiterlichen Fähigkeiten sondern auch eine Frage von Geist- und Körperbeherrschung. Zudem setzte man bei der Schulung des Pferdes auf das Verständnis seiner körperlichen und mentalen Gegebenheiten und befürwortete eine langsame gründliche Ausbildung, die auf jedes Pferd individuell eingeht. Jedes Pferd bedarf zur Gesunderhaltung einer durchdachten Gymnastizierung um seine Aufgabe als Reitpferd ausführen zu können. Das heißt, dass das Pferd in erster Linie in der Tragkraft ausgebildet werden muss, damit es lernt sich selbst und den Reiter im Gleichgewicht zu tragen.
Einige Prinzipien der akademischen Reitkunst
- Das Denken sollte dem Handeln vorausgehen
- In erster Linie wird der Reiter ausgebildet, denn versucht ein schwacher Reiter ein Pferd auszubilden wird er eher Schaden
anrichten als das Pferd zu gymnastizieren
- Schulung vom Pferd, passend zu seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten.
- Die zweckgebundene Reiterei nicht aus den Augen verlieren.
- Die Dressur ist für das Pferd, nicht das Pferd für die Dressur.
Was am Anfang wie ein Handwerk beginnt, kann durch fortwährende Schulung des Reitergefühls zur Reitkunst werden. Dem Pferd soll in der Kunst ein Lebensinhalt angeboten werden, den es auch in hohem Alter mit Würde ausführen kann.
Das Denken sollte dem Handeln vorausgehen
Dies ist eines der wichtigsten Prinzipien. Aus diesem Grund wurden diese Institutionen auch Akademische = studierte Reitkunst genannt. Die Theorie hatte einen sehr hohen Stellenwert und wurde dann mit der Praxis verknüpft, daraus entstand eine ganzheitliche Ausbildung.
Guérinière: «Die Theorie aber ist es, die uns die Natur, die Anlagen und die Fähigkeiten des Pferdes entdecken und verstehen lässt und nur so ermöglicht, seine Anmut und Ausstrahlung zu entfalten.
In erster Linie wird der Reiter ausgebildet, denn versucht ein schwacher Reiter ein Pferd auszubilden wird er eher Schaden anrichten als das Pferd zu gymnastizieren.
Der Reiter wurde ganzheitlich geschult, das heißt nicht nur in seinem reiterlichen Können, sondern vor allem auch in seinem Körper und Geist, Denn die Reiterei beschränkt sich nicht auf körperliche Fähigkeiten, sondern fordert Verstand und Intellekt. Sie (die Reiterei) basiert auf der Entwicklung des Charakters.
Seien Sie sich bewusst, dass «Derjenige der Sie im Alltag sind, werden Sie auch auf dem Pferd sein - körperlich und geistig» ! Unsere Pferde werden es uns zeigen, denn sie sind unsere Spiegelbilder und geben uns die Möglichkeit viel über uns zu erfahren.
Schulung vom Pferd, passend zu seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten
Die Ausbildung des Pferdes basiert auf der Liebe zu ihnen, es soll in seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten gefördert werden. Es soll immer durch Lob ermuntert werden und die Aufgabe des Reiters besteht darin, dem Pferd zu zeigen wie es etwas richtig macht und nicht bestraft für etwas was es falsch macht. Deshalb benötigt der Reiter dringend den theoretischen Hintergrund bevor er aufs Pferd steigt und sollte wieder absteigen, wenn sein Wissen endet, denn «Brutalität beginnt wo Wissen endet und jede Form von Brutalität ist eine Ignoranz gegenüber dem Pferd und zeugt für unkorrekten Reitunterricht.»
Die zweckgebundene Reiterei nicht aus den Augen verlieren
Es sollte nie in Vergessenheit geraten warum es Sinn und Zweck ist das Pferd tragend auf die Hinterbeine hin zu arbeiten. Das Pferd muss erlernen, den Reiter sinnvoll zu tragen damit es keine gesundheitlichen Schäden daraus zieht. Zu früheren Zeiten bot sich nicht die Möglichkeit Pferde einfach auszutauschen, somit musste man sich viel mehr Gedanken machen, denn ein schwaches Pferd versagte im Krieg, auf langen Transporten oder bei der Jagd und brachte den Menschen damit in Lebensgefahr. Diese Umstände kennen wir heute nicht mehr, trotzdem sollte die gezielte, sinnvolle Gymnastizierung, sowie das Wohl- ergehen des Pferdes zu jedem Zeitpunkt an erster Stelle stehen.
Die Dressur ist für das Pferd, nicht das Pferd für die Dressur
Jede Lektion in der Dressurreiterei hat seinen Sinn und Zweck und sollte dazu dienen das Pferd in seiner Ausbildung durchdacht zu fördern. Deshalb ist es empfehlenswert sich den Inhalt dieser Lektionen theoretisch anzueignen, um sie (die Lektionen) bei der Arbeit mit dem Pferd entsprechend einzusetzen. Somit sind wir wieder bei dem Punkt eins: Das Denken sollte vor dem Handeln kommen . . . und der Kreis schließt sich.
Die geschichtliche Entwicklung
Wir gehen zurück in die Zeit der Renaissance - die Zeit der Wiedergeburt, der Wiederentdeckung der im klassischen Griechenland entstandenen Ideale, Künste und Wissenschaften, sowie auch der Reitkunst. Die Schriften von Xenophon wurden nach 2000 Jahren wieder aktuell.
In dieser Zeit wurde die erste Reitakademie im dazumaligen spanischen Neapel von Frederico Grisone gegründet (1532). Es entstand damit eine neue Art zu reiten. Bis dahin hatten die verschiedenen Reitmeister die Möglichkeit ab und zu einen jungen Reiter, genannt Knappe, heranzuziehen, mit den Reitakademien eröffnete sich aber die Möglichkeit viele Schüler gleichzeitig zu unterrichten und somit die Reiterei stark zu verbreiten. In dieser Zeit entstanden sehr viele dieser Reitakademien. Theorie und Praxis konnte miteinander verknüpft werden. Die Ausbildung von Pferd und Reiter hatte aber nach wie vor einen sehr praktischen Charakter, denn es wurde in den Schlachten gekämpft, die Fürsten ritten selbst vorne mit und es ging dabei ums Überleben. In dieser Zeit lebte Antoine de Pluvinel.
Als sich die Fürsten allmählich, zur Zeit des Barock, von den Fronten zurückzogen verlor die Waffenreiterei langsam an Bedeutung und es begann die Zeit der " Freizeit-Reiterei". Die Reitkunst erlebt seine höchste Blüte, weil Sie zwar vom Zweck befreit wurde aber nicht zweckentfremdet war, weil jeder Ausbilder auch ein Praktiker war. De la Guérinière schrieb seine berühmte Reitlehre. Das Reiten erlebte seine höchste Vollendung und wurde nur für die Kunst (L´Art pour l´Art) ausgeführt.
In der Zeit des Klassizismus bildete die Kavallerie Rekruten aus, anstatt weiterhin mit Berufssoldaten zu arbeiten und somit verschwanden Kapriolen und Terre à Terre. Es mussten neue Wege gefunden werden, in der die Lehrzeiten von Rekruten auf Remontierungspferden durchführbar waren, es mussten lange Wegstrecken zurückgelegt werden und somit entstand eine andere Reiterei und das Verlangen stieg nach vorwärtsgehenden Pferden.
Pferdezüchterisch bedeutete dies, dass das klassische Reitpferd mit seiner Begabung für die Hankenbiegung und damit Tragkraft auf der Hinterhand von Pferden verdrängt wurde, denen die Schubkraft angeboren war.
Ausbildungsmässig bedeutete dies, dass der noch hoch ausgebildete Reiter vom Rekruten abgelöst wurde, dessen reiterliche Ausbildung innerhalb einer Rekrutenzeit absolviert werden musste. Oft bestand die reiterliche Fähigkeit darin, nicht vom Pferd zu fallen. Viel mehr war von einem Rekruten in dieser kurzen Zeit auch nicht zu erwarten, da nicht unterrichtet sondern befehligt wurde. Als Folge entstand eine sehr eigenartige, unpädagogische Art des Unterrichts, die leider bis heute vielerorts praktiziert wird.
Bei den Offizieren entstand ein Konflikt, denn diese mussten nach wie vor vorne wegreiten und wollten daher auch versammelt reiten können um im Nahkampf zu überleben. Somit wurden die Offiziere zu den Erbträgern der europäischen Reitkultur.
Die Hofreitschulen verschwanden und es entstanden die Kavallerieschulen, wie zum Beispiel Le Cadre Noir in Saumur und die Kavallerieschule Hannover. Als einzige Hofreitschule überlebte die «spanische» in Wien.
Die bekanntesten Ausbilder des Klassizismus waren in Frankreich Baucher und in Deutschland Steinbrecht. Sie beide standen demselben Problem gegenüber, die Pferde von damals gab es nicht mehr, aber der Wunsch nach Versammlung blieb. Das moderne Reitpferd hatte mehr Schubkraft und somit hatten beide dasselbe Ziel, Wege zu finden, die Schubkraft zu nutzen und trotzdem Versammlung zu erreichen, ohne Schubkraft gegen die Hand zu entwickeln.
Leider wurden beide Ausbilder offensichtlich falsch interpretiert, aus dem Mitteltrab Steinbrechts, bei dem sich die Truppen in einem «mittleren» Tempo bewegten, entwickelte sich der heutige moderne Mitteltrab und aus der lösenden Biegung von Baucher wurde ein Herunterziehen des Genicks. Warum diese klassizistischen Meister fehlintepretiert wurden ist heute schwer festzustellen.
Als dann schlussendlich im 2. Weltkrieg die polnische Kavallerie gegen die deutschen Panzer Attacke ritt, starb die Epoche dieser Offiziersreiterei und das Pferd hatte in dieser Hinsicht ausgedient. Man glaubte es ganz und gar entbehren zu können. Es scheint aber, dass die europäische Kultur sich stark mit den Pferden verbunden fühlt und die Sehnsucht nach Harmonie mit den Pferden wieder immer mehr auflebt. Wir sind ein Teil von Ihnen, denn sie haben unsere Kultur geformt und nichts ist so charakterbildend wie das Zusammensein und das Ausbilden von Pferden. Wir finden durch sie unsere Wurzeln wieder und immer mehr Menschen machen sich konkrete Gedanken über die Reiterei, was uns zurück zu den Reitakademien führt und dabei spielt es keine Rolle ob wir englisch, western oder spanisch Reiten, denn es kann jeder ein denkender Reiter sein.
"Die Reitkunst (...) ruht auf zwei tragenden Säulen: auf der Fähigkeit des Menschen, theoretisches Wissn in die Praxis umzusetzten und auf seiner Fähigkeit ein Pferd körperlich und geistig so formen zu können, dass es zur Erfüllung reiterlicher Wünsche geeignet wird, ohne dass es zu einem Stilbruch oder zu Harmonieverlust bei der gemeinsamen Darbietung kommt. Auch in der Reiterei kommt "Kunst" von "Können" (...). Die Reitkunst wird nicht am Schwierigkeitsgrad bestimmter Übungen gemessen, sondern einzig am Grad der Übereinstimmung von Reiter und Pferd und deren sichtbaren Ausdruck."
Kurt Albrecht in "Dogmen der Reitkunst"
Bent Branderup
Bent Branderup war langjähriger Schüler der Escuela Andaluza del Arte Equestre in Jerez de la Frontrera, die damals noch den Beinamen „Real“ (königlich) trug. Nach 2 Jahren der Ausbildung dort, mit abgeschlossenem Examen, suchte Branderup noch weitere große Meister der klassischen Reitkunst auf, wie z.B. Salvador Sanchez, Nuno Oliveira und natürlich Egon von Neindorff.
Schließlich ließ sich Herr Branderup in Deutschland nieder und kam zu dem Pferd, bei dem er all sein erworbenes Wissen anwenden und verfeinern musste. Hugin, ein Knabstrupper-Hengst, dessen beide Sprunggelenke und dessen Krongelenk vorne links durch einen Unfall zertrümmert waren. Das Griffelbein hinten rechts war gebrochen, überlappt zusammengewachsen und durch die Teilstelle der Sehnen hindurch verknorpelt. Zu allem Überfluss wurde Hugin völlig blind. Herr Branderup baute Hugin mit durchdachten gymnastizieren Übungen auf und erreichte nach mühevoller Arbeit, dass er ein imposanter Hengst der hohen Schule wurde. Seitengänge, Galoppwechsel, Pirouetten, Piaffe, Passage, starker Trab, Schulsprünge über der Erde. All diese Lektionen wäre ohne den Halteapparat Muskulatur nicht möglich. Ein Beweis für den alten Lehrspruch:
Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur!!!
Wie kann man dies nun erreichen?
Bent Branderup, der als der beste Ausbilder unserer Zeit gilt, hat diverse Bücher (Die akademische Reitkunst, Reiten auf Kandare, Barockes Reiten nach F.R. de la Guirieniere, Renaissancereiten nach Pluvinel u.v.m) und etliche Videos (Ausbildungsvideos, Kunst der Könige usw.) herausgebracht. Das Fernsehen wie auch das Radio hat Reportagen über ihn gebracht. Dies zu Recht! Der gebürtige Däne ist eine außerordentliche Persönlichkeit mit einem schier endlosen Wissen. Zudem hält Herr Branderup immer wieder bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf Vorträge. Die FN hat in Zusammenarbeit mit Herrn Branderup eine Seminarzusammenfassung als Videokassette herausgebracht.
Er hat unzählige Pferde und etliche Reiter ausgebildet und diese bis zu höchsten Lektionen gefördert. Seine Schüler sind in allen Sparten der Reiterei und mit diversen Pferderassen erfolgreich.
Grundsätzliche Ideale der Ritterschaft
Die Ritterschaft der Akademischen Reitkunst bietet Reitern die sich den Idealen verbunden fühlen die Möglichkeit ihre Fähigkeiten durch das Ablegen von Prüfungen unter Beweis zu stellen.
Die Prüfungen enthalten die denkbar schwierigsten Anforderungen bis hin zur Kapriole.
Für die Schüler von Branderup ist Reiten eine Kunst, die Kunst zu leben, beiden, Mensch und Pferd Lebensqualität zu bieten. Wir möchten das höchst mögliche Niveau erreichen ohne die Regeln der Natur zu missachten.
Durch systematische gymnastische Übungen wird das physische und psychische Wohlbefinden des Pferdes gefördert
- Die Dressur dient dem Wohle des Pferdes, nicht das Pferd der Dressur
- Reiten ist als Kunst zu sehen, die dem Pferd Aufgaben bietet, die es auch im hohen Alter noch mit Würde erfüllen kann
- Die Kunst des Reitens wird im feierlichen Rahmen geehrt
- Der Kreis derer die sich dieser Kunst widmen möchten wird erweitert
Das Ideal ist es, das Pferd in Balance zu bringen, die Vorhand des Pferdes frei zu machen und in den Hanken zu setzen, während es immer bereit ist sich vorwärts-abwärts zu dehnen und Kontakt zur Reiterhand zu suchen.
Der Reiter führt die Hüfte des Pferdes zwischen seinen Schenkeln und dessen Schultern zwischen den Zügeln.
Die einhändig gefaßte Kandare dient hauptsächlich der Rahmengebung. Das Genick wird in Stellung zur Hüfte gebracht, so daß die Wirbelsäule zwischen Genick und Hüfte eine gleichmäßige Biegung einnimmt und entspannte Aktivität möglich wird. Der Reiter bringt seinen Schwerpunkt mit dem des Pferdes überein und ist bestrebt mit dem Pferd eins zu werden, nach dem Vorbild des Kentaur:
Nur wenn der Wille des Reiters und der des Pferdes eins werden, kann es zur vollen Entfaltung der körperlichen Fähigkeiten kommen.
| Begegnungen mit Pferden |
"Ein Pferd beherrschen, mühelos wie der Leithengst in der frei lebenden Herde. Mit dem Pferd in ein natürliches Gleichgewicht finden.
Schönheit und Eleganz der Versammlung erreichen ohne jeden Zwang, am durchhängenden Zügel.
Und das alles als Spiel, als Tanz mit dem Pferd und in vertrauter Harmonie von Anfang an. - Traumhaft!"
So schöne Dinge kann ich leider nicht versprechen.
Harmonie und Anmut sind Zeichen schöner Reitkunst. Mit dem Pferd eins zu sein, mit unauffälligen Hilfen wie von Geisterhand durch die Reitbahn zu schweben.
Wer würde sich das nicht wünschen?
Vertraute Harmonie.... Schönheit und Eleganz der Versammlung....Natürliches Gleichgewicht.....
Das sind durchaus greifbare und handfeste Ziele. Aber niemand wird ein solches Ziel ohne Arbeit, ohne Mühe und ohne Enttäuschungen erreichen. Es wird überhaupt kein Reiter irgendein Ziel erreichen, solange er oder sie glaubt, für sich alleine etwas erreichen zu können.
In der Realität ist der Reitunterricht oft eine frustrierende Angelegenheit. Statt den hohen Zielen erleben wir oft nur Disharmonie und Kampf zwischen Reiter und Pferd.
Das Pferd wird nicht mehr als Partner angesehen, sondern als Gegner, den es zu beherrschen gilt.
Das könnte nun so aussehen, als ob die Beschäftigung mit Pferden aus hartem Drill, eiserner Disziplin und Selbstverleugnung bestünde.
Auch das ist falsch.
Ein Pferd, mit dem ich mich verständigen will, hört gar nicht erst zu, wenn ich den militärisch straffen Ton anschlage.
Es gehorcht möglicherweise, aber es "spricht" nicht mit mir.
Zuallererst gilt es, nach den Bedürfnissen uns Wünschen der Pferde zu fragen.
Um aber überhaupt sinnvoll nach den Wünschen eines Pferdes fragen zu können, muss man Wissen und Fähigkeiten in den folgenden Bereichen erwerben:
- Wie kann ich mein Pferd möglichst artgerecht halten?
- Wie kann ich mich mit meinem Pferd verständigen?
- Wie kann ich mein Pferd so gymnastizieren, dass es mich tragen kann ohne Schmerzen zu empfinden?
Genau das aber ist das Ziel meiner Kurse:
Sich dem Pferd mitteilen - dem Pferd zuhören.
Ein besseres Verständnis fürs Pferd und eine Verbesserung der Fähigkeit, sich dem Pferd mitzuteilen, sollen das Ergebnis meiner Kurse sein.
Die Rückbesinnung auf die klassischen Grundsätze der alten Meister, für die ein systematischer Aufbau der Ausbildung durch naturgemäße Gymnastik für Reiter und Pferd unabdingbar war, soll Grundlage für eine partnerschaftliche Beziehung sein.
Was wir in den Kursen im einzelnen machen, hängt in hohem Maße von den TeilnehmerInnen und den jeweiligen Pferden ab.
Es ist deshalb schwer, dazu etwas zu sagen.
Um Ihnen/Euch die Möglichkeit zu geben, herauszufinden, ob meine Kurse für Sie/Euch geeignet sind, sage ich lieber, was ich von den TeilnehmerInnen erwarte:
- Sie sollten die Bereitschaft mitbringen, etwas Neues einfach zu probieren.
- Sie sollten Demut und Dankbarkeit gegenüber dem Pferd empfinden, weil es so unglaublich viel mit sich machen lässt, ohne je wirklich böse zu werden.
- Sie sollten akzeptieren, dass die Fehler des Pferdes immer Fehler von Menschen sind, meistens die eigenen.
- Sie sollten bereit sein zu lernen, sich Ihrem Pferd gegenüber klar und präzise auszudrücken, so dass das Pferd erkennen kann, dass sich das "Zuhören" lohnt
- Daraus ergibt sich, dass Sie sich konzentrieren, wenn Sie mit dem Pferd "reden", da Sie ja vom Pferd ebenfalls Konzentration verlangen.
- Sie sollten sich bemühen, sensibel auf das Pferd zu reagieren, Verständnis entwickeln, dass gerade dieses Pferd gerade diese oder jene Behandlung braucht und bereit sein, sofort genau das Erforderliche zu tun.
- Sie sollten bereit sein, dem Pferd gegenüber Dominanz zu zeigen, keine Raubtierdominanz, aber die Dominanz des Menschen, der für sein Pferd Verantwortung übernimmt, der beispielsweise Unarten nicht durchgehen lässt, weil diese Unarten für Pferd und Mensch schädlich sind.
Möglicherweise schrecken diese Erwartungen den ein oder anderen ab.
Möglicherweise lernen aber gerade die, die von ihren Fähigkeiten nicht so felsenfest überzeugt sind, leichter, mit einem Pferd zu "reden", als manche andere.
Und letztlich ist alles leicht, was uns hilft Probleme zu lösen, Erfolg zu haben und zu sehen, dass das Pferd zufriedener ist
Es ist ein langer und mühsamer Weg, den es sich zu gehen lohnt.
Um aus dem Handwerk ein Kunstwerk zu machen, bedarf es an theoretischem Wissen.
Ich möchte Ihnen die theoretischen Grundsätze, die für die Zusammenarbeit zwischen Pferd, Reitschüler und Lehrer notwendig sind, vermitteln.
Wir können vorab die Probleme besprechen, die Sie in der Arbeit mit Ihrem Pferd oder Ihrem bisherigen Unterricht haben.
Der systematische Aufbau der Ausbildung durch naturgemäße Gymnastik für Pferd und Reiter ist der Weg zur Reitkunst.
Bevor wir uns auf diesen Weg begeben können, gilt es, eine Bestandsaufnahme von Reiter und Pferd zu machen:
- Welche Problem bestehen?
- Welche Erwartungen haben Sie?
- Welche Ziele sind realistisch umsetzbar?
All diese Fragen werden wir zunächst klären.
Kernpunkt des Unterrichts wird als erstes der Sitz sein. Denn nur aus einem korrekten Sitz heraus, können auch die richtigen Hilfen gegeben werden.
Das Verständnis für die Mechanik des Pferdes und die daraus folgenden Gesetzmäßigkeiten für die Einwirkung werden ebenfalls ständige Begleiter des Unterrichts sein.
Alle großen Reitmeister haben eins gemeinsam:
Das Bemühen um die pferdegerechte Ausbildung und das Wissen darum, dass Vollendung nur aus Harmonie entsteht.
Dazu gehört eine schonende Ausbildung nach klassischen Grundsätzen, sowohl bei jungen Remonten, als auch bei Korrekturpferden.
Vieles von dem, was in einer Reitstunde erklärt wird, gerät oft und schnell wieder in Vergessenheit.
Um das zu verhindern, haben Sie die Möglichkeit, mit mir zusammen im Anschluss an den Unterricht ein Protokoll über die Stunde zu erstellen.
Ein Zitat von Kurt Albrecht - Meilensteine auf dem Weg zur Hohen Schule, 1983:
"So bildet die Ausgeglichenheit des Gemüts, verbunden mit der Bereitschaft, nicht nur sich selbst Schwächen zuzugestehen, sondern dies auch einem anderen Lebewesen einzuräumen, eine der wichtigsten Eigenschaften und Voraussetzungen für einen Ausbilder und Reiter,
In dieser Fähigkeit ist ja bereits ein genügend großes Einfühlungsvermögen integriert, das benötigt wird, um Reaktionen des Pferdes nicht nur überhaupt, sondern möglichst rasch zu erkennen und einzustufen.
Gesellt sich dazu in wichtigen Situationen noch etwas "Demut", gibt dies eine hervorragende psychische Basis.
Man kann mit Berechtigung von einer "Persönlichkeit" sprechen."
Zitate von Pat und Linda Parelli:
Was ist Parelli?
Pferdebesitzer, welche dem Parelli Ausbildungsprogramm folgen, haben herausgefunden, dass Parelli nicht nur die Beziehung und Kommunikation zu ihrem Pferd verbessert, sondern dass es auch jede andere Beziehung in ihrem Leben positiv beeinflusst.
Linda Parelli sagt dazu: "Es geht um viel mehr als das Pferd an sich. Es beeinflusst wirklich auch die persönliche Entwicklung eines jeden. Man lernt viel über Kommunikation, Führungsqualitäten, Aufrichtigkeit, Konsequenz und Verantwortung. Man lernt neues über Zuneigung und Fantasie. Das Pferd sagt dir die Wahrheit über deine Qualitäten in all diesen verschiedenen Kategorien..."
"Menschen realisieren, dass sie nach all dem in all ihren bisherigen Beziehungen gesucht haben", fügt Pat Parelli hinzu. "Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen Zuneigung, Kommunikation und Führungsqualitäten aufzubauen; und das Programm und das Pferd lehren dem Menschen, in all diesen Dingen gut zu werden; nicht nur in Bezug auf Pferdetraining."
Ziele der Ausbildung bei Ingeborg Hellwig:
- Reiterliches Verhalten im Umgang mit dem Pferd
- Erlernen des korrekten Sitzes, der als Basis allen richtigen Reitens eine korrekte Hilfengebung erlaubt.
- Erhaltung und Pflege der Reitkultur
- Pflege der klassischen Reitkunst
- Aufbau der Pferdegymnastik von der Longe bis zur Levade, von den Anfängen des Nachwuchspferdes bis zur Aufgaben der hohen Schule klassischer Dressur.
- Beginn der Spezialausbildung, wenn die Ausbildung zum Gebrauchspferd beendet ist.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Und noch mal Branderup, der für mich das größte Vorbild meiner Reiterei ist:
Philosophie zur Reitlehre von
Bent Branderup
Jeder muss den Weg wählen, der ihn am meisten anspricht. Diese Wahl ist dann auch oft verbunden mit der individuellen Lebenseinstellung. Er spiegelt die Träume und Sehnsüchte wider, die wir in uns tragen. So suchen viele Menschen die Nähe der Natur und der Tiere.
Nirgendwo können wir unsere Kultur und Natur so eng zusammenführen wie in den Momenten der Verschmelzung zwischen Mensch und Pferd. Der Weg dorthin beruht aber auf physischen und mentalen Fähigkeiten, die sehr mühsam zu erreichen sind. Vor allem können Sie diese nicht kaufen, sondern müssen sich wie jeder andere Künstler ernsthaft in die Materie vertiefen. Der oberflächliche Mensch wird höchstens ein guter Techniker, aber nie ein wirklicher Künstler.
Was unterscheidet einen Reitkünstler von einem Reittechniker? Ein Reittechniker führt seine Lektionen nach einer messbaren Qualitätskontrolle mehr oder weniger perfekt oder handwerklich gut aus, doch ohne philosophischen oder gefühlsmäßigen Inhalt.
Der Reitkünstler kann verschiedene Ideologien verfolgen. Er versucht natürlich auch, sich technisch zu steigern, die Technik ist aber nicht sein Ziel, sondern das Mittel zum Ziel. Somit stehen andere Dinge im Vordergrund. Eine gefühlvoll dargebotene und ausdrucksvolle Lektion ziehe ich einer technisch gelungenen Lektion vor. Es ist nicht die Aufgabe eines Künstlers, Ideale vorzutäuschen, sondern das Reale in ein ideales Licht zu stellen.
Wenn Reitkunst vorgetragen wird, ist es nicht zu vermeiden, dass sie einen gewissen Expressionismus beinhaltet, um dem Zuschauer das Unsichtbare begreifbar zu machen. Dennoch ist die Kunst rein impressiv und besteht aus der Zusammenschmelzung von Natur und Kultur, repräsentiert durch den Körper und Geist beider Lebewesen.
Der Körper des Reiters muss darin geschult werden, das Pferd in seiner natürlichen Bewegung nicht zu stören. Der Geist des Reiters muss darin geschult werden, dass sich die Natur des Pferdes entfalten kann. Der Geist des Pferdes muss sich für die Kultur öffnen und der Körper des Pferdes muss in der Lage sein, sich die Natur kultivieren zu lassen, wobei die natürliche Veranlagung die Reichweite der Kultur vorgibt. Das Pferd ist niemals begrenzt, denn es trägt die Natur in sich. Die reiterlichen Fähigkeiten, diese Natur zu kultivieren, können eine kleinere oder größere Begabung mit sich bringen. Jedes Pferd könnte, wenn die Situation entsprechend wäre, zum Beispiel piaffieren. Es ist der Reiter, der noch nicht in der Lage ist, diese Lektionen zu entfalten.
Ich betrachte die Reitkunst wie eine Pilgerschaft zu einem nicht erreichbaren Ziel. Einige Pilger werden weitere Wege zurückgelegt haben, sind aber keine besseren oder schlechteren Pilger davon. Der Unterschied liegt viel eher in einem Sein oder Nicht-Sein. Die Entscheidung zum ersten Schritt ist die schwierigste, die weiteren sind die unumgängliche Folge dessen. Der Künstler entsteht nicht durch den Ruhm oder einen ökonomischen Erfolg, sondern durch die eigene Entscheidung, einen Weg zu gehen. Die Reitkunst ist eine plastische Bewegungskunst, deren Monumente im Moment des Seins entstehen, um unwiderruflich zu verschwinden. Ein Gemälde oder eine Skulptur kann Jahrhunderte überdauern, und so eine fortlaufende Inspiration schenken, während die Reitkunst nur im schöpferischen Moment erlebt werden kann.
Folglich muss die Kunst, um zu überleben von einem angehenden Künstler dort erlebt werden, wo sie praktiziert wird. So wie er sie erlebt, so wird er sie weitergeben müssen, zusätzlich zu den von ihm zugefügten Eigenarten. Mit jedem, der sich mit der Reitkunst beschäftigt, wird diese sich weiterentwickeln, immer in Anhängigkeit vom jeweiligen Zeitgeist.
Da aber keiner von uns Pilgern jemals am Ziel ankommt, um damit auch alle Facetten der Reitkunst erfahren zu haben, sollten wir akzeptieren, dass jedem verschiedene Wege offen stehen. Der Einzelne kann entscheiden, sie zu begehen oder es zu lassen.
Die verschiedenen Kulturen haben andere Wege bevorzugt, zum Teil auch neue entdeckt, sei es durch hervorragende Künstler ihrer Zeit oder durch entsprechende Anforderungen und Zwecke. So war Pluvinel in der Kampfreiterei sehr zweckorientiert, während Guérinière zweckbefreit wurde, um die Kunst nur für die Kunst zu leben und in einem ideellen Licht erblühen zu lassen.
Unsere Gegenwart steht in der Gefahr der Zweckentfremdung, doch die Kunst darf nicht künstlich werden. Das höchstausgebildete Pferd solle immer ein exzellentes Gebrauchspferd ergeben. Da es aber keine Gebrauchsreiterei gibt, die nicht zumindest eine Hand für eine Waffe oder ein Werkzeug freihalten muss, ist das einhändige Reiten die Grundvoraussetzung für die Gebrauchsreiterei, ob für einen Vaquero oder einen Offizier. Deshalb ist ein Pferd, welches mit zwei Händen geritten werden muss, noch nicht dazu berechtigt, als Gebrauchspferd bezeichnet zu werden. Das gute Gebrauchspferd ist die reale Basis, auf der die Kunst aufgebaut werden sollte. Wenn das ausgebildete Pferd sich nicht für den realen Gebrauch eignet, wird auch die Kunst sehr fragwürdig.
Mein Traum ist es, dass das Reiten als eine Kunstart wieder entdeckt wird. Dass viele Reiter ein gutes Handwerk erlernen, während sie von ihrem Kunstideal, dem großen unerreichbaren Ziel, zu immer weiteren Schritten auf ihrem Weg der Pilgerschaft geführt werden.
Vergessen Sie aber nie, dass es nur einen geben kann, der diesen Weg beschreiben kann - Sie selbst!
Viel Freude auf Ihrem Weg
Aus dem Buch “Reiten auf Kandare“ von Bent Branderup
Wenn auch Sie diese Ziele verfolgen möchten, bin ich gerne Ihre Ansprechpartnerin.
Ingeborg Hellwig
Tel. 0177 2996725
Mail: reiten-mit-niveau@gmx.de |
|
|









|